Wandergesellen

Wandergesellen in einer Bar auf Samui

Ehrbare Handwerksgesellen.

Erfrischend anders.

Sommer, Sonne, Sonnenschein.

Auf Samui, der thailändischen Insel im Golf von Siam wird im Allgemeinen leichte Bekleidung bevorzugt.
Kunststück, die vorherrschenden Temperaturen um die 30° im November lassen eigentlich nichts anderes zu.

Es bedarf schon einer gewissen „Härte“ sich bei diesen Verhältnissen in einer Kluft zu bewegen.

So waren wir dann doch überrascht, die beiden Wandergesellen im Nachtleben des Urlaubsortes Lamai zu treffen.

Natürlich wollten wir mehr erfahren und bekamen unsere Informationen.

Wandergesellen auf Samui

Drei Jahre und einen Tag.

Die Jungs sind als Mitglieder der Gesellschaft der rechtschaffenen fremden und einheimischen Maurer- und Steinhauergesellen auf Wanderschaft.

Diese Verbindung fußt auf Traditionen, die bis ins späte Mittelalter zurückgehen.

Was als geheime Verbindung und soziale Absicherung der damaligen Handwerksgesellen, für die im Übrigen die Wanderpflicht bestand, begann, dient heute der Traditionspflege.

Eine Schule fürs Leben.

Es ist jedoch kein Schützenverein, der mit schönen bunten Uniformen jährlich durchs Dorf marschiert.

Es geht darum, in möglichst vielen Betrieben zu arbeiten und unterschiedlichste Fertigkeiten  zu erlernen.
Sie sind jedoch nicht die billigen Arbeitssklaven, die sich für nen Appel und ein Ei krummlegen, wie so mancher erwartet.

Gute Arbeit muß gut bezahlt werden.

Die dreijährige Wanderschaft ist die lehrreichste Zeit im Leben eines Handwerkers, der für seinen Beruf ein wirkliches Interesse empfindet und stolz darauf ist, was er tut.

Nur das Nötigste.

Wandergesellen reisen mit kleinem Gepäck.

Die Kluft, die sie am Leibe tragen und die wirklich wichtigen Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs verpackt in den Charlottenburger. ( ein  80 x 80 cm großes bedrucktes Tuch )

Der Berg Konsummüll im rollenden Schwerlastschalenkoffer ist ihnen fremd.

Handys, Laptops und andere moderne Kommunikationsmittel sind tabu.
Man bewegt sich in der Regel per Pedes oder trampt.

Tradition trifft Zukunft.

Handwerkliche Arbeit hat oftmals individuelle Ansprüche.

In modernen Zeiten mit der teilweise überbordenden Normierung und Spezialisierung fehlen wirkliche Fachkräfte.

Leute, die auch über den „Tellerrand“ hinaus in der Lage sind, Herausforderungen anzunehmen und deren praktische Ausführung zu meistern.

Diese Fertigkeiten lernt man nicht auf Hochschulen, sie werden im praktischen Umgang mit der Materie erworben.

Im Laufe der Wanderschaft entwickeln sich die Gesellen zu selbstbewussten Fachleuten, die keinerlei Probleme mit ihrer beruflichen und menschlichen Zukunft fürchten müssen.

Es sind nur noch Wenige.

Schätzungen zu Folge sind zur Zeit ca. 800 Gesellen aus verschiedenen Gewerken des Bauhandwerks, sowie einige Bäcker und Schmiede unterwegs.

Der Frauenanteil beträgt bescheidene 10 %.

Unsere Meinung.

Wir hoffen, es werden wieder mehr junge Menschen, die sich darauf besinnen, ihre berufliche Zukunft im produktiven Bereich zu suchen.

Die Akademikerschwemme mit ihrer großen Anzahl an Dauerpraktikanten in vornehmlich parasitär orientierten sog. „Start-Ups“ wird den europäischen Volkswirtschaften langfristig nichts als Schaden bringen.